Noch nie hat das FUNiño so viel Zuspruch und Verbreitung erfahren wie in den letzten Monaten. Spätestens als bekannt wurde, dass der Bayerische Fußballverband (BFV) diese Art des Fußballspiels als zusätzliches Angebot in den Kinderligen einführen möchte und seine Mitgliedsvereine ausführlich über FUNiño informierte, müssen sich auch die anderen Fußballverbände Gedanken machen, wie sie auf die Veränderungen im Fußball reagieren. Derzeit können FUNiño-Spiele in manchen hessischen Kreisen nicht offiziell ausgetragen werden.

Warum der VfR Wiesbaden nun auch auf FUNiño setzt, das klassischerweise 3 gegen 3 auf je 2 gegenüberliegende Mini-Tore auf ca. einem Achtel eines Fußballplatzes (ca. 25x30m) ausgetragen wird, liegt auf der Hand: Es rückt die Spieler stärker in den Fokus, ermöglicht ihnen mehr Ballkontakte, es fördert ihre Spielintelligenz und zwingt sie schneller zu reagieren und die unterschiedlichen Situationen besser einzuschätzen. Im Gegensatz zum 7 gegen 7 werden alle Spieler einer Mannschaft gleichermaßen involviert, es benachteiligt Schwächere nicht, sondern fordert und fördert sie. Zeitgemäßer kann Fußball im jungen Spielalter nicht sein. Dabei wurde das Konzept von Horst Wein bereits 1985 als Entwicklungsmodell unter dem Namen „Futbol a la medida del nino“ veröffentlicht. Es handelt sich um ein Ausbildungsprogramm bei dem das aktive Lernen, ein spielzentriertes Coaching und ein methodischer Trainingsaufbau über einen längeren Zeitraum im Vordergrund stehen.

FUNiño kann demnach nicht auf Biegen und Brechen als Spielform eingeführt werden, sondern muss überhaupt erst durch die Trainer regelmäßig im Training eingebaut und mit einer methodischen Steigerung versehen werden. Die Kinder lernen im Training erst ohne einen Gegner den richtigen Zeitpunkt des Passens und müssen im Laufe der Zeit mit steigender Gegnerzahl lernen, den Ball geschickt ohne Verlust in eines der Tore innerhalb der Endzone abzuschließen. Dabei sollen die Spieler immer wieder ihre Situationen mit dem Trainer im Gespräch reflektieren. Das Ausbildungsprogramm steigert ihre Spielintelligenz maßgeblich und wird ihnen in den regulären Spielformen helfen, sich zurecht zu finden.

Der VfR Wiesbaden hat mittlerweile so viele Mini-Tore angeschafft, um bis zu 8 FUNiño-Felder parallel bespielen zu lassen. Mit regelmäßigen Schulungen werden die Kinder-Trainer im Verein an die FUNiño-Konzepte herangeführt und unterstützt. „Wir wünschen uns FUNiño als eine offizielle Spielform auch im Kreis Wiesbaden. Wir sollten umdenken und aufhören Spieler im Alter bis 8 Jahren nur noch in Teams mit jeweils 7 Spielern antreten zu lassen und ihnen stattdessen auch im intensiven 3-gegen-3 mehr Ballkontakte und eigenverantwortliches Reagieren zu ermöglichen“, so Peter Kaun, E-Jugendtrainer des VfR Wiesbaden. Für Informationsangebote und Kooperationen im Bereich FUNiño, gern auch mit dem hessischen Fußballverband (HFV), steht der VfR allen Interessierten offen. Auch einige entsprechende Turniere werden in den nächsten Jahren beim Club auf der Rheinhöhe stattfinden.

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